ONE-ARM PUSH-UP
Der einarmige Liegestütz ist kein Kunststück, sich auf einem Arm zu halten – er ist eine Ganzkörper-Drückfähigkeit, die die Rumpfrotation innerhalb einer breiten Basis kontrolliert
Der einarmige Liegestütz ist ein fortgeschrittener Liegestütz, bei dem eine Hand und beide Füße den Körper tragen, großer Brustmuskel, Trizeps und vordere Deltamuskeln drücken und die Rumpfmuskulatur – darunter Serratus anterior und schräge Bauchmuskeln – der Rotation entgegenwirkt. Die Basis ist schmaler als beim beidarmigen Liegestütz und die Last konzentriert sich auf einem Arm; einfach viele normale Liegestütze zu machen baut diese Fähigkeit deshalb für sich allein nicht auf. In der gezeigten Bewegung – Füße weit auseinander, freie Hand hinter dem Rücken – wandert die Brust zur Stützhand, während Schulter und Becken gemeinsam absinken. Verdreh dich nicht mit Gewalt, um den Körper exakt parallel zum Boden zu halten; wichtiger ist, dich innerhalb einer kleinen, kontrollierbaren Rotation von Kopf bis Ferse als ein Stück zu bewegen.
- Zielmuskeln
- Großer Brustmuskel · Trizeps
- Unterstützende Muskeln
- Vordere Deltamuskeln · Serratus anterior · schräge Bauchmuskeln · Rumpf
- Schwierigkeit
- Fortgeschritten
- Bewegungsart
- Einarmiges horizontales Drücken · Anti-Rotation

Ist eine breite Fußstellung Schummeln?
Nein. Weit auseinandergestellte Füße sind das übliche Einsteiger-Setup: Sie vergrößern die Basis und machen die Rumpfrotation leichter kontrollierbar. Engere Füße erhöhen die Schwierigkeit deutlich – versuch das als eigene Progressionsstufe, sobald beide Seiten in der breiten Position stabil sind.
STEP BY STEP
5 Schritte für eine vollständige Wiederholung

- 1
Beherrsche zuerst den normalen Liegestütz und die asymmetrischen Vorstufen
Versuch die Variante am Boden erst, wenn du normale Liegestütze über mehrere Sätze ausführen kannst, ohne dass der Rumpf durchhängt, und wenn du beim erhöhten einarmigen Liegestütz oder beim Archer-Liegestütz auf beiden Seiten den gleichen Bewegungsumfang kontrollierst. Such dir eine rutschfeste Fläche, auf der sich Handgelenke und Schultern angenehm anfühlen.
- 2
Stell die Füße weit auf und setz die Stützhand
Stell die Füße weiter als schulterbreit auf, damit eine dreieckige Basis entsteht. Setz die Stützhand direkt unter die Schulter oder leicht zur Körpermitte versetzt und spreiz die Finger. Steht die Hand zu weit außen, lässt sich der Rumpf nur schwer darüber bringen.
- 3
Leg die freie Hand hinter den Rücken und fixiere den Rumpf
Leg die freie Hand locker auf den unteren Rücken und mach Kopf, Brustkorb, Becken und Fersen zu einem langen Brett. Halte die Stützschulter vom Ohr weg und spann Bauch und Gesäß an, damit sich das Becken nicht zuerst öffnet.
- 4
Senk die Brust kontrolliert zur Stützhand ab
Atme ein und beuge den Stützellbogen schräg nach hinten vom Oberkörper weg. Lass die Brust nahe an die Hand sinken, während Brustkorb und Becken sich gleich schnell bewegen. Stopp bei einer Tiefe, bevor die Schulter zum Ohr wandert oder der untere Rücken durchhängt.
- 5
Drück den Boden weg und kehr zu deinem Ausgangswinkel im Rumpf zurück
Drück den Boden über die ganze Handfläche weg, streck den Ellbogen und heb Brust und Hüfte gemeinsam an. Lass oben die Stützschulter nicht nach vorn kippen und knall den Ellbogen nicht in die Streckung – stabilisier dich einmal, bevor die nächste Wiederholung folgt. Trainiere jede Seite als eigenen Satz mit derselben Wiederholungszahl.
BASE OF SUPPORT
Je breiter die Füße, desto leichter das Gleichgewicht; je schmaler, desto höher die Rotationsanforderung
Dein Körperschwerpunkt muss innerhalb des Dreiecks aus einer Hand und zwei Füßen bleiben. Weit auseinandergestellte Füße verbreitern die Basis nach links und rechts und machen die Beckenrotation leichter kontrollierbar; die breite Fußstellung in der gezeigten Bewegung ist deshalb ein sinnvoller Ausgangspunkt. Die Füße enger zu stellen ist keine kosmetische Änderung – es ist eine eigene Progressionsstufe, die die Anti-Rotations-Anforderung an den Rumpf erhöht.
Auch die Stützhand muss von außerhalb des Oberkörpers unter die Schulter und leicht zur Körpermitte wandern, damit du die Brust darüber bringen kannst. Setzt du die Hand allerdings zu weit zur Mitte oder drehst die Finger mit Gewalt nach innen, können Handgelenk und Ellbogen unangenehm werden. Beginn mit breiten Füßen und einem bequemen Handwinkel und finde die Position, die du ohne Wackeln wiederholen kannst.

Kernpunkt: Praxistipp: „Füße breit → Hand unter die Schulter → Brust über die Hand.“
ANTI-ROTATION
Brust und Becken müssen gleich schnell absinken, statt getrennt zu rotieren
Weil nur eine Hand gegen den Boden drückt, wirkt auf den Rumpf zwangsläufig eine Drehkraft, die ihn von der Stützhand weg aufdrehen will. Schräge Bauchmuskeln, Gesäßmuskeln und eine breite Fußbasis beseitigen diese Rotation nicht, sondern halten sie in einem kontrollierbaren Bereich. Öffnet sich das Becken zuerst zur Decke oder sinkt allein die Brust zur Stützhand, bewegt sich der Körper nicht mehr als ein Stück.
Wenn du dich von vorn oder schräg filmst, siehst du leicht, wie sich die Höhen von Schulter und Becken verändern. Eine kleine Rotation ist in Ordnung, solange die Linie von Kopf bis Ferse hält und Brustkorb und Becken sich gemeinsam bewegen. Überstreck den unteren Rücken nicht und zieh die Füße nicht heran, um die Rotation zu verstecken.

WORKING ARM
Richte Stützhand, Handgelenk, Ellbogen und Schulter so aus, dass sie die Last gemeinsam tragen
Weil sich die Last auf einer Hand konzentriert, spreiz die Finger weit und drück mit der ganzen Handfläche gegen den Boden. Ein zu stark verdrehtes Handgelenk oder eine abhebende Handaußenkante kann die Last auf eine kleine Fläche bündeln. Ist das Drücken über die Handfläche unangenehm, kannst du zunächst eine Variante mit Griffen oder Parallettes nutzen, die das Handgelenk näher an die neutrale Stellung bringt.
Spreiz den Ellbogen beim Absenken nicht komplett zur Seite ab, sondern beuge ihn schräg nach hinten vom Oberkörper weg, sodass die Brust zur Hand hin absinkt. Biomechanische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Ellbogenbelastung beim einarmigen Liegestütz auch mit der Unterarmdrehung variieren kann; statt allen denselben Handwinkel vorzuschreiben, sind deshalb ein schmerzfreier Winkel und ein wiederholbarer Bewegungsweg dein Maßstab.

TROUBLESHOOTING
Fehler behebst du an der Ursache, nicht am Erscheinungsbild
Das Becken dreht weit zur Decke auf
- Das siehst du
- Bauchnabel und Becken drehen sich beim Absenken zur Seite und der Druck auf die beiden Füße wird sehr ungleich.
- Wahrscheinliche Ursache
- Die Rotationsanforderung der Bodenvariante übersteigt womöglich deine aktuelle Rumpfkontrolle, oder die Füße stehen zu eng beieinander.
- So korrigierst du es
- Stell die Füße noch weiter auseinander und geh zurück zum erhöhten einarmigen Liegestütz mit der Hand auf einer erhöhten Auflage.
Die Hüfte sinkt zuerst durch
- Das siehst du
- Die Brust bleibt hoch, während das Becken zum Boden sinkt und der untere Rücken einknickt.
- Wahrscheinliche Ursache
- Die Bauch- und Gesäßspannung ist womöglich abgefallen, oder du erzeugst die Tiefe über Bewegung im unteren Rücken.
- So korrigierst du es
- Halte Brustkorb und Becken dicht beieinander und arbeite nur in dem Bereich, in dem der ganze Körper gemeinsam absinken kann.
Die Stützschulter wandert zum Ohr
- Das siehst du
- Der Abstand zwischen Hals und Schulter wird unten enger und die Vorderseite der Schulter hebt sich an.
- Wahrscheinliche Ursache
- Die Hand steht womöglich zu weit weg, oder Tiefe und Last übersteigen die Stabilität deiner Schulterblätter.
- So korrigierst du es
- Setz die Hand unter die Schulter, erhöhe die Auflage und übe das Gefühl, den Boden mit der Handfläche durchgehend wegzudrücken.
Der Ellbogen spreizt komplett zur Seite ab
- Das siehst du
- Der Ellbogen zeigt auf Schulterhöhe und die Brust sinkt außerhalb der Stützhand ab.
- Wahrscheinliche Ursache
- Die Hand ist womöglich zu weit außen gesetzt, oder du überträgst den Bewegungsweg eines normalen breiten Liegestützes.
- So korrigierst du es
- Versetz die Stützhand leicht zur Körpermitte und führ den Ellbogen schräg nach hinten.
Den Ellbogen oben mit Schwung durchstrecken
- Das siehst du
- Der Ellbogen schnappt am Ende des Drückens in die Streckung und der Rumpf federt von der Stützhand weg.
- Wahrscheinliche Ursache
- Du führst die Wiederholungen womöglich nahe am Muskelversagen weiter oder kontrollierst das Tempo beim Hochdrücken nicht.
- So korrigierst du es
- Reduziere deine Zielwiederholungen und halte oben eine Sekunde inne, um Schulter und Becken neu auszurichten.
REGRESSION & PROGRESSION
Passe erst die Schwierigkeit an, bevor du die Last erhöhst
Normaler Liegestütz
Lerne zuerst mit beiden Händen die Ausrichtung von Kopf bis Ferse und den Weg von Handgelenk und Ellbogen.
Archer-Liegestütz
Belaste einen Arm stärker, während die andere Hand weiter stützt, und übe so das asymmetrische Drücken.
Erhöhter einarmiger Liegestütz
Setz eine Hand auf eine stabile erhöhte Auflage, um die Last zu senken und die breite Basis sowie die Anti-Rotation zu lernen.
Einarmiger Liegestütz am Boden
Wenn beide Seiten auf der erhöhten Auflage stabil sind, senk die Höhe stufenweise, bis du am Boden angekommen bist.
BEGINNER PROGRAM
Ein praktischer Rahmen für den Einstieg
Übe ihn ein- bis zweimal pro Woche, vor deinen normalen Liegestützsätzen oder als erste Übung einer Krafteinheit für den Oberkörper. Wenige Wiederholungen, die auf beiden Seiten denselben Rumpfwinkel und dieselbe Tiefe halten, passen hier besser als Wiederholungen nahe am Muskelversagen. Richte die stärkere Seite nach den gelungenen Wiederholungen und der Höhe der schwächeren Seite aus, und wenn der Boden zu schwer ist, notiere deine Auflagenhöhe und steigere von dort aus.
Wdh.
2–5 pro Seite
Auf beiden Seiten dieselbe Höhe und Tiefe
Sätze
3–5
2–3 Minuten Pause zwischen den Sätzen
Tempo
3 s Absenken
Oben und unten kontrolliert, ohne Abfedern
- Nimm in der nächsten Einheit nur dann eine Wiederholung dazu, wenn beide Seiten die Zielwiederholungen ohne Beckenrotation und ohne Hochziehen der Schulter schaffen.
- Senk bei der erhöhten Variante die Höhe der Auflage in kleinen Schritten und stell nicht gleichzeitig die Füße enger.
- Treten Schmerzen im Handgelenk, Ellbogen oder in der Schulter auf, brich die Wiederholungen am Boden ab und passe Höhe und Handwinkel an.
Häufige Fragen
Muss der Rumpf exakt parallel zum Boden bleiben?
Eine kleine Rotation kann anatomisch bedingt natürlich sein. Der Maßstab, auf den es ankommt, ist, ob Brust und Becken sich gemeinsam bewegen, ohne dass sich das Becken zuerst öffnet oder der untere Rücken einknickt. Erzwing für eine perfekte Parallele keine schmerzhafte Handposition und keine übermäßige Verdrehung.
Wie viele normale Liegestütze sollte ich vorher schaffen?
Keine bestimmte Wiederholungszahl garantiert, dass du für den einarmigen Liegestütz bereit bist. Über die Ausrichtung im normalen Liegestütz hinaus ist der direktere Maßstab, ob du im Archer-Liegestütz und im erhöhten einarmigen Liegestütz die asymmetrische Last und die Rumpfrotation kontrollieren kannst.
Korrigiert der einarmige Liegestütz eine Links-rechts-Dysbalance?
Er ist nützlich, um Unterschiede in Kraft und Rotationskontrolle zwischen den Seiten zu beobachten, aber er diagnostiziert die Ursache nicht und korrigiert eine Dysbalance nicht automatisch. Richte Höhe und Wiederholungen nach der schwächeren Seite aus, und lass den Unterschied fachlich abklären, wenn er groß oder schmerzhaft ist.
Belege und Quellen
- 1. Donkers et al. — Ellbogenbelastung je nach Unterarmposition beim einarmigen Liegestütz
- 2. Cogley et al. — Aktivität von großem Brustmuskel und Trizeps je nach Handposition beim Liegestütz
- 3. Marcolin et al. — Schulter-, Arm- und Rumpfaktivität bei verschiedenen Liegestütz-Varianten
- 4. NASM — Progression des Archer-Liegestützes
- 5. ACE — Übungsdatenbank zum Liegestütz


